Vorsprechtermin VIII

Sie hatten uns vorher verzieh‘n und kamen zum Vorsprechtermin …

Verziehen wurde uns anscheinend die frostige Atmosphäre beim letzten Mal, und vielleicht war Tilmans Reim auf den Veranstaltungsnamen galanter. Eine von mehreren neuen Errungenschaften war zudem sein Begrüßungsrap, der mich ein wenig sprachlos das Mikrofon übernehmen ließ. Da half übersprungshandlungsmäßiges Publikumsbegrüßen nebst anschließenden Tote-Autoren-Gedenken und Gedichteaufsagen. Eine neue Sound- und eine neue Lichtanlage ermöglichte es uns auch, unseren Gäste das Gefühl zu geben auf einer Showbühne zu stehen. Nicht neu, aber gut gefüllt war diesmal das Heizungsgebläse, das zum Wohle aller in der Pause noch einmal einen richtig fetten Auftritt hinlegte.

Vor und nach dieser Nummer gab es wirklich ein sehr facettenreiches Programm:
Dominique Macri trug gefühlvolle wie auch humoristische Texte zwischen Lyrik und Prosa vor und ließ es sich nicht nehmen nach Namensvorschlägen zu fragen. „Eginhart“ fiel sehr schnell durch. Die Bilder auf ihren Textblättern hätten übrigens einen Projektor verdient gehabt, wir sollten noch an unserer Multimedialität arbeiten. Aber Schritt eins: Fotos vom Abend machen, das wurde vorgestern leider vergessen.

Seine Loopmaschine war technisch leider verhindert, aber Dirk Hülstrunk loopte sich beziehungsweise sein Wort, achwas: Wortfetzen, einfach selbst. Das Frankfurter Urgestein machte nicht viele Worte, aber viel aus einzelnen Worten und auch Zahlen. Lautpoesie, Antitextkörper, Dadapoetry oder der Beweis was mit Sprache alles möglich ist.

Auch Liedermacher Jan Koch wusste das Publikum mit Sprachspielereien zu begeistern. Ja, ein Messer zwischen Rippe Drei und Vier gehört da nicht hin, aber wer zugehört hat, weiß, dass es weder einem Chirurgen noch einem Räuber zurückgegeben werden sollte. Oder? So spontan-chaotisch wie wir mit unseren Interviewmöglichkeiten umgingen, baute der Berliner auch sein Programm um, was immer noch ein paar Fragen offen lässt und hoffentlich einige Leute neugierig aus seine CDs machte.

Über den spontan auch noch auftretenden Nesh Vonk sollte after der show gesagt werden, dass er einen Rasenmähertext vortrug. Nun, Rasenmäher vollbringen oft ein wichtiges Werk, denn sie Gras über die Sache wachsen und an selbiges lebenswichtiges Sonnenlicht. Gut möglich also, dass Nesh noch einmal auf unserer Couch Platz nehmen wird.

Das Publikum war so vorfrühlingshaft gut gelaunt, dass es nicht bei der angedachten Publikumsbeschimpfung mitmachen wollte. Es muss an dem Sonntagabend liegen, denn wer freiwillig auf die Fernsehalternative verzichtet, der will nicht auch noch die Bühne mit Unflätigkeiten bedenken. Da nutzte auch Tilmans kurze Abhandlung über das Kunstunverständnis seines ehemaligen Kunstlehrerin und meine moderne Ballade über einen ungebetenen Gast nichts.

Wir sehen uns im nächsten Monat wieder, allerdings nicht erst in einem. Durch die Verschiebung des letzten wird die Wartezeit zum nächsten Vorsprechtermin entsprechend kürzer, nämlich nur zwei Wochen: Am 6. März werden die spots im Hoffart-Theatert wieder auf das Mikrofon gerichtet.

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