Nachtrag V

Meine Schwierigkeiten beim Reiseberichteschreiben waren das Ergebnis davon, dass ich mich nicht entscheiden konnte: Reine Veranstaltungsrezension oder vermeintlich gewonnene Insiderinformationen über die kurz kennengelernte Stadt. Schlechte Alternativen, es prasseln ja doch nur Eindrücke auf einen ein, die möglichst schnell ins Archiv rutschen wollen. Daher an dieser Stelle fortan nur noch Fakten, Fakten und wenig Fiktionen über Menschen, Biere und Sensationen:

Loony Lorna hat ein passendes Cafe für ihren Weidener Slam aufgetan. Die fast und knapp 30 Leute haben leider nur drei Leuten zuhören können. Das ist ausbaufähig mit Betonung auf fähig.

Darmstädter würden gerne über Darmstadt-Witze lachen, allein schon aus Einheimischenfreundlichkeit, allein: Es klappt nicht.

Der Wald bei Neuendettensau oderso sieht aus wie ein Bob-Ross-Bild. Umgekehrt umgekehrt.

Lokaljournalisten stehen unter enormen Zeitdruck. Deswegen schreiben sie während der Veranstaltung den Veranstaltungsbericht in ihr smartphone. Etwas dreist fand ich es aber während des laufenden Finales den Namen des mutmaßlichen Gewinners einzutippen. Dennoch: Respekt für die gelungene Prophetie!

In der Vorrunde rausfliegen ist gerne geschehen, wenn die Weitergekommene so was von gut war und ist.

Ein Kollege der Lokaljournalismuskollegin wiederum eilt an einem Abend hintereinander zu drei verschiedenen Veranstaltungen um Eindrücke und O-Töne in seinen old school Notizblock schnellzuschreiben. Wie lang das wohl noch gut geht, wenn überhaupt?

Und noch gerner scheide ich in der Vorrunde aus, wenn der Finalist aus der Runde sich später als Gewinner des Abends herausstellt.

Wenn aber das Publikum aus drei Vortragenden keinen Sieger bestimmen kann und mag, haben alle gewonnen.

    Planung ist, wenn der Zufall durch Irrtum ersetzt wird.

Wenn ich erfolgreich den Wahrheitsgehalt dieses Satzes überprüft habe: Habe ich dann zufällig recht oder habe ich mich dann geirrt?

Bin mittlerweile so professionell, dass ich bei weißen Flecken auf meiner persönlichen Bühnen-Landkarte zwei Jahre alte Texte raushau‘. Ohne mit der Wimper zu zucken. Wenn jetzt bloß meine linke Hand dabei nicht immer so zittern würde.

Notiz an mich: Hinter dem Mikrofon Schielwinkel und Raum-Zeitkrümmung sowohl als auch die gefühlte Uhrzeit miteinberechnen! Mit dem Kinn ständig so dagegen zu rumpeln, sieht so blöd aus wie es sich wahrscheinlich auch anhört. Und was sollen die „Unfreibier“-Trinker denn dann denken?

Ein Satz, den ich um 1:15 nicht noch einmal hören möchte: „Wegen Bauarbeiten auf dem Streckenabschnitt verzögert sich die Weiterfahrt um circa 15 Minuten.“

Notiz an mich: „denn dann denken“ < irgendwo mal einbasteln

PS.: Bei der nächsten Fernzugfahrt nicht die remote control vergessen. Dann einfach mal drauflos drücken. Das wird ein Spaß!

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1 Antwort auf “Nachtrag V”


  1. Gravatar Icon 1 egonalter 01. November 2010 um 14:10 Uhr

    Und hier der Bericht von Sandra Vogel vom Piepmatz Verlag, Veranstalterin in Ellwangen: http://bit.ly/bhHbXg

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