Nachtrag III

Dass das jetzt ein Monatsrückblick wurde, war so auch nicht vorgesehen. Und dann auch noch vom fast vorletzten. Jedenfalls:
Von vorne los ging für mich Anfang Oktober die neue Poetry Slam Saison. Lustig war die Städtekombination in West-Südwestrichtung. Das geht bestimmt noch geschickter. Naja, die Bahncardanschaffung muss sich ja gelohnt haben.

Am Freitag, 02. Oktober fuhr ich zunächst gen Aachen, zum Satznachvorn Poetry Slam. Die Bahnfahrt war entspannt und ereignislos; in aller Ruhe bereitet ich mich auf den Abend vor. Und dann doch eine magische Verspätung von gut 45 Minuten. Langes Suchen nach dem Ankommen entfiel in der für mich – mal wieder – neuen Stadt, da ich von Biggi meiner Gastgeberin abgeholt wurde. An der Stelle noch einmal besten Dank, vor allem auch für Speis und Trank!

Einen lustigen Namen hat der Veranstaltungsort; ich dachte erst an Stadtrand und Autobahn. Aber weit gefehlt. Die Raststätte befindet sich mitten drin zwischen Hauptbahnhof und Innestadt. Klein und fein ist hier die Devise, und ganz unironisch muss ich mitteilen, dass mir der Blick an die Decke besonders gefiel, enthüllte er doch pitoreskeske Röhren – und Rohre-Formationen. Aber davon und vom stilvoll kalauernden Moderator Gerhard Horriar ließ ich mich nicht ablenken und schlingelte mich durch ein für mich neues Jedergegenjeden-Sytem ins Finale. Ich gratuliere auf diesem Wege noch einmal dem fleißig reimenden Erstplatzierten Pierre Jarawan.

Nach dem obligatorischen Thekengesprächsbier ließ ich mir in der belebten Aachener Innenstadt eine Spinatknoblauchpizza munden. Da war zwar zunächst nur Spinat drauf, aber auf Nachfrage wurde mir eine Kanne von in Olivenöl ersoffenen feinst gehacktem Knoblauch serviert. Sehr löblich und auch sehr billig, leider habe ich den Namen vergessen und kann so keine Werbung machen. Ich würde aber die Dönerpizzeria wieder finden, und das ist das einzige das zählt.

Die vormittägliche Stadtbesichtigung fiel nach dem Frühstück recht kurz aus. Ein Blick in den Dom durfte natürlich nicht fehlen, aber ich spaziere lieber durch die Städte, doch das Wetter lud nicht dazu ein und der Feiertag unterband auch eine Shoppingtour. So saß ich stundenlang in zwei Cafes. Beide warben mit Wlan, in beiden konnte mir niemand das Passwort verraten. Kinderschuhe …

Am späten Nachmittag des 3. Oktober verließ ich das herbstlich beschauliche Aachen um ins noch beschaulichere badische Ludwigsburg. absurd, aber wie gesagt, wozu sonst hab ich mir die Bahncard denn geholt. Der Maxstrassenslam sollte circa 20:30 Uhr in der Maxstrasse 1 beginnen und dem Fahrplan zufolge, sollte ich mich dort ziemlich genau um diese Uhrzeit einfinden. Zugegeben, das ist knapp kalkuliert und geradezu unprofessionell wie Bo Wimmer mir steckte. Seit dieser Fahrt nehme ich mir vor nach Möglichkeit immer einen Zug früher als nötig zu buchen, könnte ja immer was passieren auf den Gleisen oder den Oberleitungen. Um es kurz zu machen: Ich traf eine geschlagene Stunde, circa 21.30 Uhr am Veranstaltungsort ein. Geschlaucht und gerädert. Am stressigtsen war die letzte halbe Stunde, als ich gefühlte einhundertmal versuchte Alexander Willrich anzurufen, mit einer falsch gespeicherten Nummer, wie ich später erfuhr. Und das ganze in einer Lumpensammler-S-Bahn vom Stuttgarter Hauptbahnhof, voll voller Volksfestbesucher von der Cannstatter Wasn.

Hallo gesagt, Biermarken geholt, Bier geholt, gefreut das Pause ist, vor’s Klo verkrümelt und noch mal die Texte durchgegangen. Hmmm, aber welche? Dann kam die Entscheidung aus dem Bauch heraus und sie erwies sich als richtig um in das Finale zu rutschen. Das war dann überlegter aufgeführt. Die Abstimmerei wurde und wird hier „klassisch“ ausgeführt, das heißt, dass nach einer Jury-Punktewertung in den Vorrunden ein Applausmarathon folgt. Der war hier ganz schön laut, obwohl der kleine Kellerraum gar nicht so viele Leute fasst. Die gaben aber alles, konnten und wollten sich aber nicht für the only one entscheiden und so kam es, dass „Johnny“ und ich uns den Sieg teilten. Auch fein! Abseits des Sieges sagt der Slam-Rezensent in mir: Underground im wahrsten Sinne des Wortes, lokale und angereiste Slammer, freundliche und interessierte Gastgeber – ich komme gerne wieder und wünsche dem Laden weiteres Bestehen.

Für den Abend des 17. Oktober, dem Buchmessensamstag lud Dirk Hülstrunk zum 1. Frankfurter Lesebühnenfestival. Leider fanden sich im Cafe 1, wo ja auch immer die Slams stattfinden, viel zu wenige Menschen ein. Aber die und wir hatten ihren Spaß. Für mich war es auch ein gute Gelegenheit einmal Julian Heun und Micha Ebeling live zu sehen, das Vergnügen hatte ich noch nicht. Und auch endlich mal wieder Dirk himself, der Auszüge aus seinem neuen Buch „Antikörper“ sehr körperlich vortrug.

Auch für „LeckerLesenLassen“ startete die Saison im Herbst. Leider war Tilman verhindert und so begleitete ich die hungrige Meute alleine durch den Abend. Die war leider recht klein, denn auch unsere Lesebühne hatte am 20. Oktober einen schlechten Start. Zusätzlich zu den lesewilligen Untergrundpoeten, vornehmlich aus den Reihen des Darmverlags fanden sich nur noch vier zahlende Gäsete im Schlosskeller ein. Timon Manoukis, geladener Gast des Abends nahm es gelassenen und zog getreu dem Motto „Solange mehr Leute vor als auf der Bühne sind, wird gelesen!“ sein Ding durch und so war dieser Abend letztendlich auch ein schöner. Aber Leuteleuteleute: Ihr scheint nicht zu wissen, was ihr verpasst! Die nächste große Gelegenheit alles wieder gut zu machen, bietet sich übrigens am 29. Dezember bei der großen LeckerLesenLassen-Weihnachtsfeier. Genauere Informationen gibt es demnächst unter anderem auf diesem blog, hier sei nur soviel verraten, dass es neben Literatur auch Musik auf die Ohren gibt.

Am 24. Oktober hatte ein neues Moderatorenduo Premiere. Gut, LeckerLesenLassen betreuen Tilman und ich schon eine Weile zusammen, aber in Offenbach präsentieren wir nun unseren ersten Poetry Slam. Das lineup, das Tilman vorab in mühevoller Kleinstarbeit organisierte, schrumpfte bis kurz vor knapp leider arg zusammen. Aber da wir am Ende dann doch neun Wortartisten auf der Showbühne stehen hatten, müssen es vorher eher etwas zu viel gewesen sein. Am Abend zuvor wurde noch Schunke III. engagiert, auch aus Wiesbaden eilte Karsten Lampe herbei, aus Wetzlar reisten Almuth Nitsch von Kerry und Stefan Dörsing, aus dem weiten Köln Anke Fuchs und aus dem befreundeten Frankfurt Daniel Keiser an. Und zum Glück ließen sich auch lokale Helden im Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum Sandgasse auf die Bühne bitten, als da waren Anke Keitel, der Spontan-Rapper O2 Jin und sein sidekick sowie Jens, der ja slamtechnisch auch schon weitergereist ist. Als featured poet konnten wir Alex Dreppec auf die Bretter hieven,den Mann ohne den ich nicht gewesen wäre wo ich war, denn sein Freund Thomas fuhr in das Poetryneuland.

Wir verhafteten das Publikum mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Mitteln, unter anderem mittels spontan zugeworfenem Obazda, Aufrufen zur Moderatorenbeschimpfung und einer sympathischen Mischung aus Nicht-aufeinander-Reagieren und Gegenseitig-ins-Wort-fallen. Kurzum: Eine gelungene Moderation. Und, ich kann es jetzt ja verraten, das bei einem fast vollständig spontanem Konzept, dass sich teilweise während der Show entwickelte. Zum Beispiel so: „Hm, wollen wir jetzt die Finaltexte kurz zusammenfassen?“ – „Ja.“

Ich denke die Leute hatten ihren Spaß, unter anderem mit dem Gewinner Stefan Dörsing, der die Siegertrophäe in Form einer vom Publikum gefüllten Teedose entgegen nehmen konnte. Das schreit nach einer Fortsetzung, die wird es auch geben. Aber an einem anderem Ort, näheres auch demnächst hier.

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1 Antwort auf “Nachtrag III”


  1. Gravatar Icon 1 Alex 09. Dezember 2009 um 15:53 Uhr

    Eine kleine Korrektur muss ich klugscheißerischer Weise vornehmen: Ludwigsburg gehört zu Schwaben, nicht zu Baden. Mir als Nei-g’schmeckten (schwäbisch für: Zugezogenen) soll es ja egal sein, aber ich habe mal gehört, dass es da so eine Feindschaft zwischen den Baden und den Schwaben gibt ;)

    Danke für das Kompliment zu unserem Slam…das hört man gerne und du bist auch herzlich eingeladen, wiederzukommen :)

    alex

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