Gelegenheitsslammer V

So, bevor es morgen gleich schon wieder weiter nach Trier geht, noch schnell ein Nachklapp zur Dichterschlacht-Schüssel. Dankenswerterweise hat Manfred Manger, Veranstalter des Schweinfurter Poetry Slams, ergo Vorkämpfer für die gute Sache einen Artikel aus der Lokalpresse verschickt:

„Was Sie hier alles auf der Bühne sehen, das sind ja alles gescheiterte Existenzen.“ Christian Ritter, erfahrenes Poetry Slam-Schlachtross aus Bamberg, hatte Mut zur Selbstkritik. Dichter sind Schriftsteller und derzeit ist doch Buchmes-se in Leipzig: „Und wo sind wir?“
In der Kulturwerkstatt Disharmonie, bei der achten Schweinfurter Dichterschlachtschüssel, serviert vom lokalen Wortküchenchef Manfred Manger. Ja, er lebt noch, der Schweinfurter Poetry Slam, auch wenn die Zeiten, nicht nur für Künstler, rauer werden: Mit ihnen die Gedichte. Statt fein verspielter Satzdrechselei dominierte 2009 eher der derbe, zynische, rohe Witz – und doch ließ sich zwischen vielen Zeilen die (literarische) Liebesbedürftigkeit erahnen. Auch wenn es im Mai einen eigenen U20-Slam geben wird, dominierten im Publikum die jungen Gesichter. Außer Konkurrenz:
Nachwuchstalent Florian Höchemer, der im Staccato Verse zum Dauerbrenner „Einsam-zweisam“ beisteuerte.

„Anti-Anti-Anti-Semitisch“
„Anti-Anti-Anti-Semitisch“ ging der eigentliche Slam los, dank befruchtender Verse des Bonners Lasse Samström. „Mit richtiger Jacke macht dir der Winter nichts“, so die Erkenntnis der Berlinerin Paula Gelbke. Der Darmstädter Egon Alter entspiegelte den Focus und ließ am Ende selbst den Schöpfer sprachlos werden. „Deutsch ist nicht romantisch“, meinte der kernige Braunschweiger Dominik Barteis: „Der Akt“ ist ja noch männlich, „die Konsequenz“ dann aber weiblich.
„Erst ging ich auseinander, dann sie und dann wir“, meinte Florian Cieslik zu seiner Pfannkuchen-Beziehung. Die Gedichte des Kölners drehten sich um „kleinkariertes Papier“ und den Heiligen Abend – ihn „eilig habend.“ Einen Bestseller zur Freude des Feuilletons legte Christan Ritter, Ausrichter des Würzburger Poetry Slams, hin, bevor der amtierende deutschsprachige U20-Meister, Bleu Broode aus Bremen „The Day after“ – einen Zwi-schenbericht nach einer mehr als nur wilden Party – zum Besten gab.
Den hohen Norden vertrat 2009 Moritz Neumeier – mit rustikalen bis schockierenden Erlebnissen in einer Schule für geistig Behinderte. Dank der abgründig „grungigen“ Ballade aus der Wirklichkeit schaffte es der Kieler in der Publikums-Abstimmung ins Finale: Wo er Paula, Dominik und Moritz wieder traf.
Der Braunschweiger Barteis befasste sich mit Selbstzweifeln eines handgreiflich werdenden Dichters -und landete auf Platz 4, Christian .Ritter entwickelte (wieder mal per Laptop) ein RTL-reifes Drehbuch (dafür gab’s die Bronze-Schlachtschüssel). Die Berliner Kollegin Paula griff mit einem Gedicht pro Singles und gegen Familienglück nach dem silbernen Pott. Brillant vorgetragen und daher unbedingt goldwürdig:
Moritz Neumeiers Parabel über die Radikalisierung eines Eichhörnchens, das im Wald seine Vorräte nicht mehr findet – und daher eine brüllende Hetzkampagne gegen die „Sünden-Schweine“ startet: Die Forderung nach einer „Schweinskristallnacht“ inklusive.

Soweit das Schweinfurter Tageblatt.


Ansonsten wars füür mich etwas tilmandöringmäßig verlustreich: Schlafsack, Thermoskanne, den Namen des lokalen Bieres – alles umgefallen, vergessen und liegengelassen. Spaghetti waren lecker, die Musik in dem viel zu leerem Club hinterher auch. Das nächste Mal mach ich nicht durch, sondern schau mir am nächsten Morgen mal die Stadt an, die andere Version mit dem ersten oder zweiten Zug schlaucht zu sehr mit der Zeit.

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1 Antwort auf “Gelegenheitsslammer V”


  1. Gravatar Icon 1 peh 30. März 2009 um 15:50 Uhr

    immer noch froh, dass du gut durch die nacht kamst, nachdem wir weg waren…
    lg
    p

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