P VI

Die Märzausgabe des P ist wieder eine sehr gelungene. Meine bescheidenen Beiträge hierzu sind die Übersicht über die im März in Darmstadt stattfindenden Lesungen, die leider wieder nicht vollständig ist, da einige Veranstalter zu lange mit Informationen geizen, eine kommentierende Reportage über Überwachungsmaßnahmen in der City und ein weiteres Autorenporträt. Getroffen hat es dieses Mal meinen LeckerLesenLassen-Co Tilman Döring, was ja schon ein wenig nach Vetternwirtschaft aussieht. Aber hey: Erstens ist er nicht mein Vetter, zweitens was solls? Die interessierte Menschheit beglücken natürlich, also bitteschön und auszugsweise:

„Skateboarding is not a crime“ verkündet der Aufdruck auf Tilman Dörings Kopfbedeckung. Alles was Recht ist, da mag man dem Kappenhersteller nicht widersprechen. Es sind aber weniger die rollenden Bretter, die für den 19-Jährigen mittlerweile die Welt bedeuten. Denn: „Habt Ihr Bock auf Poetry?“, fragt Tilman regelmäßig sein Publikum, um dann Wörter aus seinem Mund ins Mikrofon zu rollen.

Die lautmalerische Performance beherrschte er schon im September 2005, als er bei „Dreizehn Darmstädter Dichter“ seinen ersten Poetry Slam bestritt und aus dem Stand heraus die Gunst des Publikums für sich gewann. Seitdem hatte Tilman geschätzte 200 Auftritte quer durch die Republik. Die wichtigsten vor mehreren Tausend Menschen auf dem Europafest in Berlin, bei der Lit.Cologne und beim WDR Poetry Slam. Dass Reimen verbindet, weiß er auch von den Poesietagen im lettischen Liepaja, wo er als deutscher Gastautor vertreten war.

Aber leidet denn nicht die schulische Laufbahn bei der vielen Reiserei? Einerseits vielleicht. Andererseits ist Tilman schon längst angekommen und unterrichtet jetzt auch schon selbst: Unter anderem leitet er eine kleine Slam-Werkstatt im Literaturhaus und bietet auch an Schulen Workshops für Nachwuchsreimer sowie Lehrerfortbildungen zum Thema „Poetry Slam“ an.

Im Reclam-Heft „Slampoetry – Unterrichtsmaterial für Schülerinnen und Schüler“ können die Zielgruppen dann noch mal nachschlagen, denn der junge Dozent Döring steuerte zu der Sammlung einen Beitrag bei. Auch der ist flüssig gereimt, der Bezug zum HipHop ist immer offensichtlich, allerdings eher von Wortspielakrobaten à la Dendemann geschult als von Gehirn-
Gangstern wie Bushido. Dass sich der gefühlte Beat in den Knien sehr gut mit Humor, Geschichten erzählen und sogar Sozialkritik verträgt, beweist er demnächst auch auf seiner ersten CD mit dem Titel „Mein Livestyle“.

Wer Tilmans Poetry mal live erleben will, muss ihm nicht nachreisen, sondern kann ganz einfach zu einer der lokalen Bühnen pilgern und ihn zum Beispiel als Mitveranstalter von „Lecker Lesen Lassen“, als Moderator des Darmstädter U20-Slams und auch bei den Lesungen des Darmverlags hören und sehen.

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