Im Urlaub I

Kühe, Schweine, Ostdeutschland …
Mir gefällt das gerade sehr gut. Die Schweine aus dem zwei Felder weit entfernten „Saustall“ habe ich bisher allerdings nur gerochen. Die anwohnende Kleinbauernkleinfamilie ist wegen des Gestanks nicht zu beneiden. Aber sie wird sich daran gewöhnt haben, denn zu den wenigen zu ignorierenden Übeln auf dieser Welt gehört offensichtlich auch dieses.

Woran ich mich noch nicht gewöhnt habe: Dass die angrenzende Autobahn so leise ist. Erst jetzt , hier am Strand höre ich sie, also die Auto auf ihr. Die braunen Rindviecher, die keine fünfzig Meter hinterm Grundstück meiner gastfreundlichen Tante im Landschaftsschutzgebiet grasen sind lauter. Manchmal muhen die Kühe genervt, weil die Kälber rumrennen. Die flüchten, glaube ich, vor dem mäusejagenden Kater. Jedenfalls habe das beschlossen, dass es ein Kater sein muss und keine Katze und dass er mausert. Warum sollte er sonst so irre durch das hohe Gras springen? Naja, vielleicht freut ihn das ja auch nur, wie der Grasfressernachwuchs vor ihm wegläuft.

Weitere Geräusche machen ein klappernd balzendes Storchenpaar, ein paar wiehernde Pferde und natürlich der gastfreundliche Labrador. Das andere tierische Getöse aus der zu schützenden Landschaft kann ich nicht zu orten. Wie gut aber, dass es hier im Dorf einen Tierarzt gibt, der das bestimmt könnte, wenn er denn müsste. Angeblich ist er der einzige Mediziner hier. Aber Menschen gibt es auch, durchgezählte 300 sogar. Die höre ich aber nur, wenn sie wegfahren oder einparken. Ansonsten ist es hier so ruhig, dass ich meine eigenen Gedanken hören kann.

Im Nachbardorf um die Mittagszeit nach dem richtigen Weg zu fragen, ist nahezu aussichtslos. Ein paar sportliche Kleinwägen lassen anwesende Einwohner mich vermuten. Oder handelt es sich um Zweitwägen? Die Vor- und auch Hintergärten – in Ein-Straßen-Orten leicht zu verwechseln – sind jedenfalls verwaist, nur ein paar mampfende Ziegen. Schlafdörfer … Als es keinen Sinn mehr macht die verfahrene Situation zu ignorieren, trete ich in die Pedalen und fahre wieder zurück. Es ist nicht soweit, wie e mir manchmal vorkommt. Wären die Maisfelder noch ein wenig breiter und länger könnte aber auch bald hierzulande Maisfeldhorrorfilme gedreht werden. So aber schocken mich die klappernden Büchsen an den Vogelscheuchen kein bisschen. Kettensägende Riesenkinder machen sich gar nicht erst bemerkbar.

Als ich wieder in der Ortsmitte angekommen bin, beginne ich sofort die Suche zu optimieren und starre auf die Umgebungskarte. Mitleidig spricht mich die bisjetzige Dorfschönste an: „Wo wollen Sie denn hin?“, fragt sie mich. „Hier solln See sein?!“, gebe ich Auskunft über mein Wunschziel und meinen wachsenden Zweifel. Blöde Frage hier eigentlich, doch sie schickt mich korrekterweise zum Nächstbesten. Da ich mich noch nicht daran gewöhnt als circa 30-jähriger von etwa 20-jährigen gesiezt zu werden, duze ich im Gesprächsverlauf konsequent zurück. Es stört sie nicht. Warum auch, kennt das Mecklenburgische doch so pragmatische Höflichkeitsfloskeln wie: „Und denn sindse auch schon da!“ Am Silbersee übrigens. Den so nahe liegenden wie überflüssigen Scherz kann ich mir nicht verkneifen und frage nach dem Schatz. Sie lächelt müde. Den kannte sie wohl schon…

Jetzt bräune ich hier, schwimme etwas und verköstige mich an Pommes uns Lemonbier. Mein Magen ist etwas zu voll, als ich ins kalte klare Wasser gehe, aber meine Eltern hätten mir sowas umsonst verboten, würde ich es heute nicht tun. Die Sicht ist wirklich bemerkenswert. Wäre ich 1, 80 Meter groß könnte ich vielleicht noch meine Füße sehen. Abends den ersten Sonnenbrand bewundern.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email