Im Kino gewesen II

Married Life

Die Teenies haben beim sneak preview letzte Woche ganz besonders genervt. Wirklich wahr! Dass mir die trailershow versaut wird, naja, da schau ich noch drüber hinweg. Über die Zuspätkommer. Aber den Filmanfang würd ich ja schon gern mitkriegen; ich will jetzt nicht den Obercineasten raushängen lassen, aber der ist doch nicht so unwichtig. Für das Verständnis der Handlung undso.

Aber noch mal zurück auf Anfang, genauer gesagt davor, zur besagten trailershow. Der Appetithappen zum neuen „James Bond“ „Quantum Of Solace“ („Ein bißchen Trost“?!) könnte mich fast geködert haben, wäre da nicht das ungute Gefühl die Bond-Schreiberlinge haben den oldschool Agenten mit einer Prise „Bourne, Jason“ aufgefrischt. Ja, so viel kam raus bei der Schnippelhektik: 007 gegen Alle, wirklich Alle. Warum? Man wird sehen …

Jetzt könnte ja ne geschickte Überleitung zum Film des Abends kommen, aber mir fällt keine ein. Denn ganz ehrlich: Mir fiel erstmal das Herz in die Hose, als ich den Namen „Pierce Brosnan“ las. Nicht dass mir der ehemalige Bond-Mime (ahh…) generell mißfällt, ich befürchtete aber die Vorführung von „Mamma Mia!“, eine verfilmte ABBA-Schmonzette, auf die ich wirklich verzichten kann. Zum Glück wurd ich auch verschont, denn nun flimmerte „Married Life“ über die Leinwand.

Die Handlung, besser: Der Erzähler versetzt uns ins Jahr 1949. Eigentlich könnte alles was geschieht, auch heute oder hundert Jahre zuvor passieren. Dieses „Eheleben“ ist ein bürgerliches Trauerspiel, das mit möglichst viel Augenzwinkern, Situationskomik und ein wenig slapstick beschrieben wird. Man kennt das ja: Der Betrüger wird betrogen … nur haben es die Autoren nicht bei einer Intrige belassen, da muss schon noch mehr passieren bis sich alles in Wohlgefallen auflöst. Und gestorben wird auch noch. Hüstel …

Dem Publikum wird perfekt vorgegaukelt, dass diese happy endende Kabale und Liebe Version in die dargestellte Zeit gehört. Gezeigt wird eine gelungene hommage an Filme wie „Ist das Leben nicht schön?“ und „The Philadelphia Story“. Und weil diese vor zwei Jahren gedreht wurde, sehen wir einen detailreichen Kostümfilm: Die Figuren haben leicht zu merkende 40er Jahre-Namen wie Pat, Tom und Kay. Wunderbar, keine Verwechslungsgefahr wie heutzutage bei den vielen Helens und Susans. Die Typen haben entweder zerknautschte oder kantige Gesichter und tragen Bundfaltenhosen, die bis zum Bauchnabel reichen. Und die Frauen erst, bildschön wie sie auf ihre Männer warten, und wenn der Erwartete da ist, schauen sie undurchdringlich wie es nur wartende Angebete und Anbetende im letzten Jahrhundert tun konnten. Manschettenknöpfe, Schirmlampen, Röhrenfernsehern (schwarzweiß!), Technicolorkino (bunt! ;-) ) und dergleichen mehr gibt es noch hübsch zu finden, was den DVD-Genuß empfiehlt. Dann läßt sich bestimmt der Fehler finden, irgendetwas, dass es 1949 noch nicht gegeben hat.

Witzige story, Ende durchaus vorraussehbar, macht aber nichts, gut schaupielernde gute Schauspieler, gekonnte Kamera, wohltuend ruhige Schnitte:
Empfehl ich.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email